Aktuelle Situation am Bargkoppelstieg

Das Wochenende war zugegebenermaßen chaotisch. Sicher nicht zuletzt, weil es für alle etwas überraschend kam, dass der Bargkoppelstieg sofort bezogen werden sollte. Rund 700 Menschen haben hier ein Dach über dem Kopf - aber nicht viel mehr.

Text: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

Vor allem die sanitären Anlagen sind noch nicht fertig und auch Privatsphäre ist Mangelware. An sich sind Dusch- und Wasch-Container geplant und Stellwände sollen kleinere Schlafeinheiten in der großen Halle schaffen. All das gibt es noch nicht, auch wenn wir alle hoffen, dass beides noch heute oder spätestens morgen kommt. 

Hilfe

Für Menschen, die teilweise seit Wochen auf der Flucht und zu einem großen Teil direkt aus dieser Flucht bei uns in Meiendorf gelandet sind, ist das eine schwer zu ertragende Situation. Ebenso sind viele unserer Nachbarinnen und Nachbarn, die helfen wollen, entsetzt über die Zustände. Viele haben Hilfe angeboten, einige Hilfe wurde auch dankbar angenommen. So hat eine Meiendorferin eine Milchpumpe besorgt, weil eine der Frauen, die hier eingezogen sind, einen Milchstau hatte. Was besonders wunderbar ist: obwohl sie selbst krank zu Hause saß, ist sie nach Volksdorf gefahren und hat fünf Minuten vor Ende der Öffnungszeit noch schnell das Gerät aus der Apotheke losgeeist.

Morgen wird es endlich darum gehen, Kleidung aus der Kleiderkammer an den Messehallen an die Menschen zu verteilen, die im Bargkoppelstieg wohnen. Schülerinnen und Schüler der Oberstufe am Gymnasium Meiendorf nutzen ihre Projektwoche, um dabei zu helfen. Und eine Menge Leute aus Meiendorf hat sich bereit erklärt, auf Abruf bereit zu sein, ebenfalls mit anzupacken, wenn es nötig sein wird. 

Über die Facebook-Gruppe und das Kontaktfeld, per Mail und am Telefon fragen Menschen aus unserem Stadtteil, wo sie Spenden und Kleidung abgeben können - und wir müssen sie erst einmal vertrösten. Oder, noch besser, an die Kleiderkammern verweisen, die es schon gibt. Denn vor allem die fast perfekte Organisation der Kleiderkammer an den Messehallen ermöglicht es den Freiwilligen dort, auch "uns" hier draußen am Rand der Stadt mitzuversorgen.

Es bleibt schwierig

Das, was für viele so schwer zu verstehen ist: wieso es so langsam geht, wieso es so schwierig ist, die Hilfe aus dem Stadtteil wirklich in der Einrichtung ankommen zu lassen. Aber auch für die Hauptamtlichen am Bargkoppelstieg ist es eine Ausnahmesituation. Einige haben weit über die normale Arbeitszeit hinaus geschuftet und dennoch keine wirklich schöne Umgebung schaffen können. Die Menschen, die aus der Flucht in Meiendorf ankommen, sind bis dahin noch nicht von Ärztinnen und Ärzten untersucht worden, ansteckende Krankheiten kann niemand ausschließen, bis das der Fall war. Und wer schon in der Einrichtung war, hat gesehen, dass so viel zu tun ist, dass niemand Zeit findet, sich mit den Ehrenamtlichen und Helferinnen zu beschäftigen.

Darum hat die Stadtteilkonferenz Meiendorf eine kleine Koordinierungsgruppe gebildet, die Aktivitäten bündeln und zentral mit fördern & wohnen besprechen wird. Damit unsere Hilfe schnell und unbürokratisch und so anlaufen kann, dass sie ankommt, hilft, entlastet und zu Gutem führt.

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