Krätze - und nun?

In Meiendorf machte heute die Sorge die Runde, im Bargkoppelstieg sei die Krätze ausgebrochen - und nun müsse man das Gelände weiträumig meiden, weil das sehr ansteckend sei. Aber: das stimmt nicht.

Text: Silke Plagge

Krätze –  das klingt nach Juckreiz und fiesen Pusteln. Genau das trifft es auch. Für die Betroffenen ist die Krankheit sehr unangenehm. Verursacht wird sie durch Krätzemilben. Diese treten dort auf, wo viele Menschen auf engem Raum sind, vermehrt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Pflegeheimen. Und eben auch in Flüchtlingsunterkünften.

 

Die Milben graben sich in die Haut ein und sorgen so für den Hautausschlag und Jucken. Die Ansteckung erfolgt vor allem durch Hautkontakt von Mensch zu Mensch, eine kurze Berührung wie etwa ein Händeschütteln reicht aber nicht. Die Milben können nur kurz ohne menschlichen Wirt überleben, fühlen sich aber auch in lange getragener Kleidung, Decken oder Kuscheltieren wohl, da es hier engen Hautkontakt gegeben hat.

engeR Raum = schnelle Übertragung

In den großen Flüchtlingseinrichtungen müssen die Menschen auf engem Raum leben. Somit steigt die Gefahr, dass sich die Milben verbreiten könnten. Deshalb kommen auch am Bargkoppelstieg Krätze-Infektionen vor. Die Menschen, die hier ankommen, haben eine lange Reise unter schweren hygienischen Bedingungen hinter sich.

 

Aber: Alle Ankommenden werden ärztlich untersucht, die behandelnden Medizinerinnen und Mediziner achten auf mögliche Zeichen einer Krätze-Erkrankung. Betroffene werden mit Medikamenten versorgt. Tabletten und Salben töten die Milben. Das Prozedere wird den Flüchtlingen von den Dolmetschern erklärt. Die Behandlung und strenge Hygiene können dafür sorgen, dass Milben sich nicht ausbreiten.

 

Strenge hygienische Vorschriften sind besonders wichtig. Darauf achten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Betreibers fördern & wohnen. Und auch die Ehrenamtlichen. Denn genau deswegen nehmen die  Kleiderkammern keine Kuscheltiere oder Wolldecken an, da diese eben durch den engen Hautkontakt Milben übertragen könnten.    

Die Anwohner müssen sich keine Sorgen machen

Krätze-Milben können weder fliegen noch springen wie etwa Flöhe. Weder das Gelände am Bargkoppelstieg, noch die Bewohner oder Mitarbeiter müssen gemieden werden. Asklepios-Oberarzt Marc Armbruster betont in einem Interview der Morgenpost: „Beim gemeinsamen Spielen auf dem Spielplatz besteht für Kinder keine Ansteckungsgefahr, denn die Krätzmilbe wird nur bei sehr engem Körperkontakt übertragen. Etwa, wenn sich zwei Menschen ein Bett teilen.“ Weder Händeschütteln, Umarmungen, noch kurzer Körperkontakt im Bus stelle ein Gefahr dar.

 

Zum jetzigen Zeitpunkt werden alle Ankommenden ärztlich untersucht, es wird auf ihren Impfstatus geachtet und auf ihren allgemeinen Gesundheitsstatus. Wer krank ist, wird entsprechend behandelt oder stationär aufgenommen. Aber genau solche Infektionen wie Krätze sind auch einer der Gründe, dass das Gelände am Bargkoppelstieg nicht einfach frei zugänglich ist. Und dass Haupt- und Ehrenamtliche Handschuhe tragen und auf Hygiene achten.

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