Menschen ins Krankenhaus begleiten

Zu den ersten "Einsätzen" von MEIENDORF HILFT gehörte es, Menschen aus dem Bargkoppelstieg ins Krankenhaus zu begleiten. K. (die helfen, aber ihren Namen nicht öffentlich haben will) hat eine Schwangere ins Amalie-Sieveking-Krankenhaus begleitet.

Text: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

Das, was es für die Flüchtlinge einfacher machte, erzählt K., sei vor allem, dass sie sich auskenne, wisse, wie ein Krankenhaus in Deutschland funktioniert - und warum viele Dinge so sind, wie sie sind. Denn im Prinzip könnten die Menschen ja auch alleine hin, sie sind nicht eingesperrt. Und, was viele nicht wissen (und vielleicht auch nicht alle Ärztinnen und Ärzte), bei der AOK versichert. Zwar ist das nur in Hamburg und Bremen so, aber wir leben ja in Hamburg. Das heißt aber vor allem, dass Flüchtlinge, die in Hamburg registriert sind, in allen medizinischen Einrichtungen und Praxen behandelt werden können (und müssen) und die ihr Geld von der AOK bekommen. 

Vorbereitung hilft

"Wichtig ist, dass die Flüchtlinge am besten ihre Medizin-/Arztkarte mitführen, die sie von der Einrichtung ausgestellt bekommen haben", berichtet K. Denn auch in der Amalie war nicht allen sofort klar, wie das läuft. Der Mann in der Patientenbetreuung war aber sehr freundlich und hilfsbereit. "Gerne hätte er auch eine "Registrierungsnummer" gehabt, die ich aber nicht kannte und wir auch nicht aus den vorhandenen Unterlagen erkennen konnten", war das erste Problem, vor dem K. und die Familie, die sie begleitete, standen. Es ging aber auch so. 

Die Patientin wurde dann zügig in den Kreißsaal geschickt. Da ihr Mann gut Englisch sprach, war keine Übersetzung nötig. Das ist übrigens sehr oft so, so dass auch Helferinnen und Helfer, die keine andere Sprache sprechen, solche Dienste übernehmen können. Denn, so K., "es war für die Erklärung der Abläufe trotzdem hilfreich, dass ich da war." Außerdem konnte sie zwischendurch auf das kleine Kind der beiden aufpassen, so dass der Mann bei der Untersuchung dabei bleiben konnte.

Ein Fazit und ein Tipp

Es war schön, zu erleben, dass sie wirklich helfen konnte und mit anpacken. Einen Tipp hat K. dabei für andere, die es ihr gleichtun wollen: "Wer eine solche Begleitung auf sich nimmt, sollte durchaus etwas Zeit einplanen, da mit Wartezeiten zu rechnen ist. Auch ist es hilfreich, etwas Wasser oder Snacks mitzunehmen, da die Flüchtlinge so etwas in der Regel nicht mitnehmen können oder nicht haben. Ich war auch froh, ein Pixiebuch zum Angucken und ein paar Buntstifte zum Malen in der Tasche zu haben, um das kleine Kind zu beschäftigen."

Dieser erste Einsatz hat sie ermutigt, dass wirklich jede und jeder etwas tun kann. Es seien keine besonderen Fähigkeiten gefordert - sondern im Grunde nur etwas Zeit und die Bereitschaft, sich auf andere Menschen einzulassen. Englisch zu können, hilft, findet K. "und vielleicht ein sicheres Auftreten gegenüber dem Krankenhauspersonal und Ärzten." Insbesondere aber sei es hilfreich, gegenüber den Mitarbeitern dort Verständnis zu zeigen, "denn die kennen die Situation auch nicht. Ein freundliches Wort hat dort Tür und Tor geöffnet."


K. hofft jetzt, dass andere folgen und weiteren Flüchtlingen helfen, den Weg zu Ärztinnen und Ärzten zu finden oder in Krankenhäuser, vor allem, wenn die weiter weg sind wie das UKE. Denn genau das wird für die nächsten Tage gesucht.

Kommentare: 4 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Kristin (Mittwoch, 16 September 2015 18:06)

    Soll man nun doch einfach zum Bargkoppelstieg kommen um zu helfen? Ich dachte man wird kontaktiert, wenn Hilfe benötigt wird. Wie kann man Helfen?

  • #2

    Fabian (Donnerstag, 17 September 2015 08:25)

    Gute Frage die ich mir auch stelle

  • #3

    Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (Donnerstag, 17 September 2015 11:14)

    Wie ihr sicher wisst, sind alle, die sich jetzt ehrenamtlich und neben ihren normalen Vollzeitjobs engagieren, am Wochenende und am Anfang dieser Woche von den Ereignissen überrollt worden. Aber die ersten Infomails werden bald rausgehen. Es ist wunderbar, dass sich so viele in die Datenbank eingetragen haben, hier unter "Helfen".
    Neben dieser Website und dem Newsletter, der bald losgeht, gibt es eine Facebook-Gruppe, in der gerade einige ad-hoc-Hilfe schnell geleistet wird. Zu mehr reichen gerade Zeit und Kraft der Freiwilligen nicht. Aber vielleicht will das ja jemand von euch beiden übernehmen? :)

  • #4

    Kristin (Donnerstag, 17 September 2015 12:12)

    Ihr macht das gut. Ein dickes Lob! Und wie ich vor Ort heute festgestellt habe ist die Kommunikation wirklich schwierig. Die Facebook Gruppe ist schon perfekt fuer diese spontanen Einsaetze. Also fuer alle die helfen wollen schaut da vorbei. Und selbstverstaendlich helfe ich gerne bei der Koordination oder dem Newsletter - habe Dir gerade meine Kontaktdaten direkt geschickt. Freue mich von Dir zu hoeren ;-)