Kinderlachen in der Bezirkssporthalle

Nach Wochen auf der Flucht das erste Mal mit den Kindern duschen und baden - was für uns eine tägliche Selbstverständlichkeit ist, war für über 70 Frauen aus der Unterkunft am Bargkoppelstieg gestern endlich Realität. In der gesamten Sporthalle des Gymnasium Meiendorf war das Juchzen und Lachen der Kinder zu hören.

Text: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

Die Idee hatte Kathrin Stoffregen, Lehrerin am Gymnasium Meiendorf, schon einige Tage. Und dann ging es ganz schnell. Die Schulleitung machte die Türen auf (zumal praktischerweise die Schülerinnen und Schüler gerade Projektwoche haben und die Sporthalle tagsüber frei war), die Sportvereine verzichteten einen Nachmittag auf die Duschen, das Team von fördern & wohnen stimmte unbürokratisch zu und organisierte die Duschwilligen.

Claudia Folkers, die gute Seele unserer Stadtteilkonferenz und der Koordinierungsgruppe von MEIENDORF HILFT, organisierte innerhalb von wenigen Minuten 250 Handtücher - die dann gestern am frühen Morgen von der Wäscherei Wulff, der Wäscherei des Amalie-Sieveking-Krankenhauses bei uns um die Ecke, direkt in die Sporthalle geliefert wurden. Der Hausmeister schob eine Extraschicht ein. Und fast 15 Freiwillige und etliche ehemalige Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, die sich da ja noch gut auskennen, standen um 8.30 Uhr bereit.

spontanes Mitdenken

Was die Hilfsaktion auszeichnete: Dass so viele Meiendorferinnen und Meiendorfer einfach wirklich mitdenken. Zwei Frauen, selbst Mütter, brachten Babybadewannen mit, ohne dass irgendwer sie vorher darum gebeten hatte - und das war perfekt, weil einige sehr kleine Kinder dabei waren. Baden statt Duschen und jede Menge Spaß. Und auch Christine Schröder, die schon bei der Kleidungsausgabe ihre Kochmutter-Erfahrung eingebracht hatte, nutzte wiederum die Schulküche, um für gute Stimmung und Verpflegung zu sorgen.

Für viele der Frauen und Kinder, die mit zum Duschen gekommen waren, bot die Zeit in den Umkleidekabinen und in der Schule die erste Ruhephase seit Wochen. Zum ersten Mal ein bisschen so etwas wie Entspannung und - für uns mit unseren Wohnungen und Häusern kaum vorstellbar - Privatsphäre. 

Ad-hoc-Hilfe via Facebook-Gruppe

Erst am späteren Nachmittag des Vortags stand fest, dass es klappt mit dem Duschen. Und trotzdem fanden sich viele Helferinnen und Helfer. In dieser Phase, in der wir noch keine wirklichen Strukturen haben, in der noch viel improvisiert werden muss, ist die Facebook-Gruppe, die wir schon vor einigen Wochen gegründet hatten, dafür Gold wert. Auch die Facebook-Skeptiker unter uns müssen zugeben, dass vieles nicht möglich wäre - und vor allem nicht so schnell -, wenn sich nicht inzwischen fast 500 Leute dort zusammen getan hätten, um immer mal wieder zwischendurch nachzugucken, was sie tun können.

Wenn Hilfe nicht nur für die, denen geholfen wird, wunderbar ist, sondern auch denen, die helfen, Spaß macht, dann ist es am besten. Gestern Vormittag war das der Fall. Einzig, dass am Ende doch nicht so viele Frauen mit rüber zum Gymnasium Meiendorf gekommen sind, wie ursprünglich duschen wollten, ist schade. Aber macht das gute Erlebnis für die, die es genutzt haben, nicht kleiner.

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Anna Golebieski (Freitag, 18 September 2015 12:52)

    Ich finde das toll, dass man auf diese Weise versucht, den Menschen zu helfen. Die Idee mit Duschen war sehr gut auch, wenn das noch nicht hundertprozentig geklappt hat! Ich schätze das sehr - bestimmt würde ich auch beteiligen und die Einträge im Facebook beobachten, um eventuell irgendwo zu helfen!

    Viele liebe Grüße!
    Anna Golebieski - Rahlstedt